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Die „Freien Wähler Altdorf“ besuchten das Kernkraftwerk Isar II in Essenbach/Niederaichbach

 

Foto: 1.v.L. Bernd Gulich Assistent der Kraftwerksleitung, 3.v.L Georg Nirschl Freie Wähler und Gemeinderat Altdorf, 5.v.L Walter Henz Freie Wähler Altdorf, 6.v.L. Richard Petz Freie Wähler Altdorf und Gemeinderat, Siegfried Christl Freie Wähler Essenbach, Willi Stanglmayr zweiter Vorsitzender Freie Wähler Altdorf, 2.v.R. Josef Hierbeck 1. Vorsitzender Freie Wähler Altdorf

Die Freien Wähler Altdorf besuchten am Mittwoch, den 8. Juni 2016 das Kernkraftwerk Isar II und Isar I in Essenbach/Niederaichbach. Der Vorsitzende der Freien Wähler Altdorf Josef Hierbeck, begrüßte den Assistenten der Kraftwerksleitung Bernd Gulich. Die Besichtigung teilte sich in drei Schwerpunkte auf. Zunächst ging es bei einem Einführungsvortrag um die Entwicklung des Standortes, dessen Betreiber und die Funktionsweise des Kernkraftwerkes. Im zweiten Schritt war die Begehung des Kernkraftwerkes II (Maschinenhaus) und Infrastruktur vorgesehen. Im dritten Schritt wurde auf die Stilllegung und die Sicherheit des Kernkraftwerkes eingegangen.

Die friedliche Nutzung der Kernenergie begann in Deutschland vor über 50 Jahren. Vom Versuchsreaktor, zum Bau des Kernkraftwerkes Isar I bis zu  dessen Stilllegung, dem Bau des Kernkraftwerkes Isar II, bis zum Ausstieg aus der Kernenergie und Stilllegung des Kernkraftwerkes Isar II im Jahre 2022 referierte Bernd Gulich. Als Betreiber des Kernkraftwerkes Isar II sind zu 75% die E.ON Kernkraft GmbH und zu 25% die Stadtwerke München beteiligt. Bis zum Jahre 2022 ist die Kernenergie in Deutschland und Bayern noch ein relevanter Bestandteil der zuverlässigen Stromversorgung. Die deutsche Bundesregierung beschloss zunächst im Jahre 2000 und dann 2011, schrittweise auf die Kernenergie zu verzichten. Im derzeitigen Kernkraftwerk Isar II wird der Strom mit einem sogenannten Druckwasserreaktor erzeugt. In diesem Reaktortyp wird die bei der Kernspaltung frei werdende Wärme an das Wasser des Primärkreislaufes abgegeben. Das Wasser steht unter hohem Druck, daher die Bezeichnung Druckwasserreaktor. Der Primärkreislauf, wo auch die Radioaktivität entsteht, ist vollkommen vom Sekundärkreislauf  wo der Strom in Turbinen und Generatoren erzeugt wird, getrennt. Bei der Brutto-Stromerzeugung ist in Deutschland (2013) die Braunkohle mit 25,4 %, die Steinkohle mit 19,2%  die Kernenergie mit 15,4%, die erneuerbaren Energien mit 24,1%, Erdgas mit 10,7% beteiligt. Bei der Bruttogrundlaststromerzeugung sind die Braunkohle mit 58,2% und die Kernenergie mit 34,9% beteiligt. Die Bruttogrundlaststromerzeugung ist deshalb  wichtig, da der Verbrauch unabhängig von Witterungseinflüssen gewährleistet sein muss. Ob diese erneuerbaren Energien das Stromnetz stabilisieren, den Strom umweltfreundlich und  kostengünstig leisten können, wird die Zukunft zeigen.

Bei der Begehung des Maschinenhauses, dort wo der Strom erzeugt wird konnten die Teilnehmer die Turbinen und den Generator besichtigen. Insgesamt wird dort eine elektrische Nettoleistung von 1410 MW erzeugt. Die Turbine und der Generator haben eine Drehzahl von 1500 Umdrehungen in der Minute. Das Kühlwasser des Kernkraftwerkes Isar II wird über einen Naturzug-Nasskühlturm rückgekühlt. Dieses Kühlwasser ist vom Sekundärkreislauf total getrennt, so dass hier dieses Wasser nicht mit der Radioaktivität in Berührung kommt. Beim Aufsteigen im Kühlturm kühlt sich der Wasserdampf ab, so dass ein Kondensschwaden über dem Kühlturm sichtbar wird, bevor er verdunstet. Mit der Stilllegung des Kernkraftwerkes Isar II ist es mit der Abschaltung noch lange nicht getan. Tatsächlich beginnt der Rückbau  in der Regel erst einige Jahre nach der endgültigen Abschaltung der Anlage, weil erst das für die Stilllegung erforderliche Genehmigungsverfahren durchlaufen werden muss. Kernstück der Stilllegung ist der Rückbau des nuklearen Teils der Anlage und das Management der radioaktiven Abfälle. Ziel der Stilllegung ist die Beseitigung des Kernkraftwerks, unter Einhaltung der allerhöchsten Sicherheitsstandards. Reststoffe sollen verwertet, radioaktive Abfälle zwischen- und später endgelagert werden. Es werden zwei Konzepte unterschieden. 1. der direkte Rückbau für das KKI I ist schon beantragt. 2. die Herstellung des sicheren Einschlusses (evtl. auch Teilrückbau) mit späterem Rückbau nach einer Wartezeit von mehreren Jahrzehnten. In dieser Zeit kann die Radioaktivität in der Anlage abklingen. Bei dem Abbau  des Kernkraftwerkes KKI I fallen ca. 224.000 t Material an. Davon gelangen zur Endlagerung ca. 3.400 t Material. Die deutschen Kernkraftwerke gehören zu den sichersten der Welt. Der schwach- und mittelradioaktive Müll wird im Schacht Konrad in Salzgitter endgelagert. Dort werden nicht vor dem Jahr 2022 schwach- und mittelradioaktive Abfälle endgelagert. Für die hochradioaktiven Abfälle wurde der Salzstock Gorleben und andere Standorte untersucht. Das neue Standortauswahlverfahren soll bis 2031 abgeschlossen sein. Bis dahin werden die verbrauchten Brennstäbe an den sogenannten Standortzwischenlagern in den Kernkraftwerken zwischengelagert. Weltweit sind derzeit 435 Kernkraftwerke in Betrieb.

70 Anlagen befinden sich derzeit im Bau. 125 weitere befinden sich in der Projektion.  Die Briten bejahen die Kernkraft. Finnland plant neue Anlagen. Frankreich will den Kernenergieanteil senken. Polen steigt in die Kernkraftenergie ein. In China boomt die Kernkraft. Japan ist jedoch unentschieden. USA sind mit 100 Kernkraftwerken Spitzenreiter.

Korea, Indien, Russland, Südamerika, Südafrika, Saudi-Arabien und Türkei setzen auf die Kernenergie. Deutschland steigt derzeit als einziges Land spätestens 2022 mit allen Anlagen aus der Kernenergie aus und setzt auf erneuerbare Energien. Das dies technisch machbar ist wird nicht bezweifelt. Ob Deutschland die Kostensituation mit bezahlbarem Strom durchsetzen kann, wird die Zukunft entscheiden. Deutschland beschreitet hier einen Weg, der einzigartig ist auf der Welt. Das Chanchenpotential ist sehr hoch um von der Stromerzeugung der Kernenergie abschied zu nehmen. Nach einer gemeinsamen Brotzeit und für die 3,5 Stunden dauernde Führung, bedankte sich Josef Hierbeck bei Bernd Gulich dem Assistenten der Kraftwerksleitung.