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Aktivkohleaufbereitung beim Zweckverband Rottenburg

 

Wasser – unser kostbarstes Lebensmittel – Flucht vor Grundwasserkontaminierung

Der Kreisverband Landshut e.V. der Freien Wähler besuchte kürzlich den Zweckverband Rottenburg um sich die neue Aktivkohleaufbereitung zeigen zu lassen. Hans Weinzierl, Freie Wähler Kreisrat und Erster Vorsitzender des Zweckverbandes sowie der Technische Betriebsleiter, Herr Mirko Wand führten und informierten die zahlreich erschienen Besucher. Der Zweckverband versorgt in seinem Gebiet von 504 Quadratkilometer über 38.000 Einwohner mit Trinkwasser. Er ist von insgesamt 16 Gemeinden der Landkreise Landshut, Kelheim und Regensburg gegründet worden und hat die Aufgabe, eine gemeinsame Wasserversorgungsanlage einschliesslich der Ortsnetze zu errichten, zu unterhalten, die Anlage im Bedarfsfall zu erweitern und bereits vorhandene Ortsnetze zu übernehmen. Nach einigen technischen Details ging man gleich an das Grundübel – Nitratbelastung des Grundwassers. Im europäischen Vergleich finden sich in Deutschland und Malta die höchsten Nitratkonzentrationen im Grundwasser. Die Belastung der Wasserqualität durch die Landwirtschaft nimmt in einigen Gebieten immer noch zu, da einige Verfahren der Intensivlandwirtschaft stark von Düngemitteln abhängig sind. Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken, um weitere spürbare Verringerungen bei den Nährstoffeinträgen zu erreichen. Dies erfordert eine nachhaltigere und ressourceneffizientere Bewirtschaftung des Nährstoffzyklus. Insbesondere müssen wir die Effizienz des Einsatzes von Düngemitteln verbessern. Im Januar 2014 wurde in Hohenthann das Pilotprojekt "Landwirtschaft und Trinkwasserschutz" vorgestellt. Bis dato haben wir in Hohenthann immer noch einen viel zu hohen Nitratwert von 48,5 mg, verschuldet letztlich durch Überdüngung aus der Landwirtschaft. Früher gab es in den Böden noch einen natürlichen Abbau des Nitrats durch die Selbstreinigungskräfte der Fließgewässer und des Bodenfilters, der aber bereits seit vielen Jahren verbraucht ist. Was oben zuviel zugeführt und nicht verbraucht wird, geht halt mal nach unten und verunreinigt unser Grundwasser. Hierbei geht es nicht nur um die Gülle sondern auch um Überdüngung. 70 % der Nitrateinlagerung kommt aus der Gülle. Vor allem die hohen Nitratbelastungen, aber auch Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln bringen uns immer näher an die Grenzwerte. Handlungsbedarf ist sofort geboten. Brunnen müssen aufgegeben und durch neue ersetzt werden, eine sehr arbeits-, zeitintensive und teuere Maßnahme. Der Bau einer Wasseraufbereitungsanlage kostet 5 bis 7 Millionen und einen Anstieg der Betriebskosten um mindestens 20 Cent/m³, zudem haben wir durch die Nanofiltration eine deutlich erhöhte Schadstoffkonzentration in einem wesentlich geringen Volumen. Die Frage der Entsorgung ist momentan noch nicht geklärt. Eine solche Aufbereitung sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Was wäre also eine Alternative dazu? Der Zweckverband hat sich daher entschlossen, ein größeres landwirtschaftliches Grundstück/Hofstelle zu erwerben um dort eine grundwasserschonende Bewirtschaftung durchzuführen. Der Pächter pflanzt hier Energiegras mit dem Vorteil, dass er keine Düngemittel mehr braucht. Dadurch verzichtet er zwar auf einen maximalen Ertrag, drückt aber den Nitratgehalt. Der Zweckverband Rottenburg hat also hier  eine Grundlage geschaffen. Es macht natürlich nur Sinn, wenn sich viele Gemeinden und Landwirte dem Projekt anschließen würden. Die Landwirte könnte man mit einem Zuschuss unterstützen um die Mindererträge auszugleichen. Der Nitratgehalt des Wassers käme wieder in einen ordentlichen Bereich und Landwirt wie Bevölkerung würden davon profitieren.

Seit 1. September 2015 ist die Aktivkohleaufbereitungsanlage in Pattendorf in Betrieb und die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung, hinsichtlich der Pflanzenschutzmittel (Desethylatratzin ) können wieder eingehalten werden. Aktivkohle holt alle Chemie aus dem Wasser und schützt trotzdem die Mineralstoffe, somit haben wir ein lebendiges gesundes Wasser, bei der Nitrataufbereitung ist das Wasser tot (Industriewasser). Drei große Behälter mit je 35.000 Liter sind mit 20 cbm Aktivkohle pro Behälter befüllt. Wasserdurchlauf ca. 20 – 60 Liter in der Sekunde. Die Aktivkohle wird in Frankreich und China hergestellt. In 3 – 4 Jahren muss die Aktivkohle wegen Schadstoffsättigung gewechselt werden. Die verbrauchte Aktivkohle wird dann als Sondermüll in z.B. einem Salzbergwerk eingelagert.

Innerhalb weniger Jahrzehnte haben wir unser Grundwasser so geschädigt, dass wir es nur noch durch diverse Aufbereitungstechniken trinkbar machen können.

Alles dem waschsenden Wohlstand unterzuordnen, selbst unser wichtiges Lebensmittel WASSER, sollte uns zu denken geben! Verlierer sind letztlich wir selbst und die nachfolgenden Generationen!

Anschließend wurde im Gasthaus Forstner in Gisseltshausen noch rege über die gewonnen Eindrücke diskutiert.

Text von Freie Wähler Kreisverband Landshut e.V.

 

Die Freien Wähler Altdorf besuchten am 13.Juni 2016 den Zweckverband Rottenburg-Pattendorf der seit dem 1. September 2015 eine Aktivkohleaufbereitungsanlage in Pattendorf  in Betrieb genommen hat. Die hohe Belastung des Grundwasser durch Pflanzenschutzmittel machte diese Investition von ca. 1,5 Mio. € erforderlich. Damit können die Grenzwerte der Trinkwasserversorgung wieder eingehalten werden. Das gesamte Verbandsgebiet umfasst heute eine Fläche von Rund 501 km², 36.000 Einwohnern und über 13.000 Hausanschlüssen. Alle Chemischen Verunreinigungen durch Pflanzenschutzmittel konnten zwar vollständig beseitigt werden, die hohe Nitratbelastung bleibt aber trotzdem noch bestehen. Um diese Belastung noch zu Beseitigen würden noch mal ca. 6 bis 7 Mio. € benötigt, was der Zweckverband derzeit aber nicht ausgeben will. Den Besuchern war jedoch klar, dass ein Grundnahrungsmittel wie Trinkwasser unabhängig vom Kostenaufwand, sauber und rein gemacht werden muss. Investitionen für diesen Bereich und die Bevölkerung haben Vorrang vor allen Geldausgaben die der Staat ansonsten vornimmt. Wenn wir vor Ort diese Entscheidung für einen Nitrateintrag im erforderlichen Masse nicht treffen, dann wird uns die Natur langfristig dazu zwingen dies zu tun. Grundsätzlich war man der Meinung, das solche Investitionen nicht in privatrechtliche  Hand gehören, und der Staat mit seinen handelnden Politikern sich dieser Verantwortung nicht entziehen kann. Nach einem intensiven Meinungsaustausch im Gasthaus Fortner in Giesseltshausen wurde der Besuch im Rahmen des 4 Kreistreffens der Freien Wähler beendet.

 

Text: Freie Wähler Altdorf e.V.